Home » Über das Geldsystem » Über Zinsen

Über Zinsen

Meiner Meinung nach wenden wir auch den arithmetischen Begriff “Zinsen” zu allgemein auf zwei verschiedene Lebensinhalte oder Quellen von Beträgen an. Gemeinsam ist ihnen nur die Berechnungsweise.

  1. Der Zinsbetrag der dem Sparer zufließt, weil er etwas für “rainy days” zurücklegt und für diesen (zeitweisen) Konsumverzicht von dem, dem er sein Geld anvertraut, ein Entgelt (Zinsen) erhält. Das wird in der Volkswirtschaftslehre so vermittelt.
  2. Die Zinsbeträge, die auf die Geldmenge berechnet werden, die aus dem Nichts entstanden war (siehe hierzu Geldschöpfung) und sich zwar rechtmäßig (gesetzlich) dennoch aber zu Unrecht in privater Hand (Geschäftsbanken) zum Nachteil aller Rechtsgenossen befinden und exponentiell akkumulieren.

Dieser Unterschied wird in der Volkswirtschaftslehre (soweit ich es sehe) nicht beachtet.

Die Sachverhalte sind nur arithmetisch gleich. Ich will also nicht, dass der Sparer bestraft wird oder gar enteignet (das würde ich behaupten, wenn ich Eigentümer einer Bank wäre, wovor ich bewahrt geblieben bin), sondern im Gegenteil – ich möchte, dass der Sparer für seine Sorgfalt, Vorsorge und Solidität mehr bekommen kann weil die, die durch Geld missbräuchlich Geld machen und den Sparer um einen Teil seines Ertrages berauben – nämlich durch Inflation und die Zinsgeschäfte zu 2. – denn so, wie das Geldsystem (noch) ist, zahlt jeder Zinsen auch, wer gar keinen Kredit aufgenommen hat. Dazu an anderer Stelle mehr. Nur kurz vorweg: in den Verkaufspreisen stecken alle Kosten für die Erstellung der Leistungen des Produkts auch Zinskosten, die ein Unternehmer zuvor bezahlt hat, sind in diesem Preis enthalten..

Ottmar Issing hat in seinem Aufsatz Der Zins und sein moralischer Schatten in der FAZ vom 20.11.1993 mit seiner Behauptung im Abschnitt Konsumverzicht und Ergiebigkeit des Kapitals den tatsächlichen Sachverhalt nur bedingt erfasst (Zitat): “Der Kredit verleiht dem Kreditnehmer Verfügungsmacht am Markt, auf die der Kreditgeber für die Zeitspanne des Kreditkontrakts verzichtet.” und weiter “Der Sparer verzichtet (vorübergehend) auf Konsum, die in den verschiedenen Anlageformen bereitgestellten Mittel werden von den Institutionen des Finanzsektors – Banken, Investmentgesellschaften, Versicherungen – in Kredite an Unternehmen transformiert, aus “Kredit wird Kapital”. Der Zins als Marktpreis fungiert daher auch als Gradmesser für die Knappheit des Kapitals.” – das ist sogar richtig – doch es ist nur ein Teil der Wahrheit. Der auf Fiat-Geld (dem neu geschöpften Geld) beruhende Kredit bedeutet eben keinen Konsumverzicht auf Zeit und daher eben nicht die gleiche Berechtigung auf einen Zinsanspruch.

Noch “schöner” wird es ein paar Abschnitt weiter: Zitat “Auch in der naturalen Tauschwirtschaft kommen Kredit und Zins vor, beide Phänomene sind also nicht an das Vorhandensein von Geld gebunden. So war etwa der Pachtzins für den Acker häufig in Form eines Teils der Ernte zu erbringen; “Zehnthöfe” zeugen noch heute an vielen Orten von der Einträglichkeit dieser Leistungen. Im übrigen gibt es in den modernen Geldwirtschaften eine ganze Reihe von Zahlungsvorgängen mit mehr oder minder ausgeprägtem Zinscharakter. Dies gilt für die Miete – gelegentlich trifft man noch auf den Ausdruck “Mietzins” -, die grundsätzlich eine Mischung aus Zinsanteil für das investierte (und im Mietobjekt quasi verliehene) Kapital und Entgelt für die Abnutzung beziehungsweise Abschreibung der Wohnung verkörpert.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: