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Die technischen Abläufe der Kreditausreichung bei der Bank

Ich werde immer wieder mal von “Fachleuten” angegriffen, dass ich fälschlich behaupten würde, dass Geld aus dem Nichts entstehen würde, dass das geschöpfte Geld lediglich ein Äquivalent für die erwartete Wertschöpfung durch den Kreditnehmer sei und ich keine Ahnung davon hätte, was bei einer Bank eigentlich passiert.

  • In der Tat ist der Kredit (wenn alles gut geht) ein Äquivalent für die Wertschöpfung des Kreditnehmers. Deswegen kann er ihn ja auch zurückzahlen. Die Wahrheit ist: Nicht der Kredit ist das Problem, sondern die Zinsen, die eben nicht geschöpft werden und für deren Beschaffung immer mehr Schulden gemacht werden müssen, für die immer mehr Zinsen und Zinseszinsen angeschafft werden müssen ad infinitum.
  • Ich verstehe sehr wohl, was bei einer Bank abläuft. Die, die das Gegenteil behaupten sind die, die den Leuten weismachen wollen, dass sie das Geld der Sparer für 2% “hereinnehmen”, treuhänderisch “verwalten” und für 8% ausleihen und – von den wenigen 6% Differenz leben müssten. Jetzt werde ich mal ungezogen: “Verarschen kann ich mich alleine, Herrschaften”!

Hier der Ablauf:

Das geschieht buchungstechnisch bei einer Kreditausreichung

Wenn die Bank einen Kredit ausreicht, dann bucht die Bank Forderung per Konto  „Kreditkonto (Aktiva, zählt es also ihrem Vermögen zu) an Girokonto des Kunden (Passiva und weist den Betrag zugleich als Schulden aus)“. Der Vorgang ist für die Bank also bis hierhin erfolgsneutral (es entsteht kein Gewinn, kein Verlust). Die Bilanz ist nur “länger” geworden. Auf dem Girokonto des Kunden erscheint der Betrag als verfügbares Guthaben. Wie gesagt, verlängert sich so die Bankbilanz in Höhe des Kredits und des entsprechenden Guthabenbetrags. Durch diesen  Vorgang ist das Geld entstanden. In der Welt (im Markt) ist es dann, wenn der Kreditnehmer mit dem Kreditbetrag etwas bezahlt, wie z.B. seine Lieferanten oder die Löhne an Mitarbeiter.

Dieses „Spiel“ kann die Bank nicht unbegrenzt fortsetzen (es sei denn, sie leiht an EU Staaten aus (Stand 2014). Der Vorgang hat eine Reihe von Konsequenzen:

  • Die Forderung an den Bankkunden (der Kredit) erhöht die sogenannten Risikoaktiva.

Risikoaktiva müssen mit Eigenkapital unterlegt werden. Das wird durch den sogenannten Grundsatz I ausgedrückt: Mit jeder Kreditausreichung verringert sich das „freie Eigenkapital“ der Bank und schränkt ihre Möglichkeit, weitere Kredite auszureichen ein. (Interessanterweise brauchen Banken bei Kreditausreichungen an EU Staaten kein Eigenkapital zu belasten – das bedeutet, dass Banken theoretisch beliebige Mengen von Geld schöpfen und an EU-Staaten ausreichen können. Das kommt nahezu einer Gelddruckmaschine gleich (sehr schlecht finde ich!)

  • Der Liquiditätsbedarf der Bank erhöht sich

Durch die Erhöhung der Verbindlichkeit (Passiva), nämlich die Zurverfügungstellung des Geldbetrages auf dem Girokonto des Kunden erhöht sich der Liquiditätsbedarf der Bank, jedoch nur in der Höhe, der vorgehalten werden muss – und das ist ungefähr nur 1/50 (in Euroland) des Kreditbetrages, also 2% [1]. Es wird unterstellt dass das Giroguthaben aus der Kreditbereitstellung entweder bar abgehoben wird oder an eine andere Bank abfließt. Im Bankjargon wird das als „Liquiditätsrisiko“ bezeichnet. Eine Bank muss deshalb den sogenannten Grundsatz II erheben: Dabei werden Aktiva und Passiva in definierten Laufzeitbändern gegenübergestellt und es wird eine Liquiditätskennziffer ermittelt. Anhand derer wird beurteilt, ob die Bank ausreichend liquide ist. Durch diesen Zwang, Liquidität vorhalten zu müssen, wird die Kreditausreichung begrenzt. Die Bank kann nur dann Kredite ausreichen, wenn sie über genügend flüssige Mittel (Liquidität) verfügt. Längerfristige Kundeneinlagen (Passiva) bessern diese Liquidität auf. Interbanken-Kreditgeschäfte sind hierfür nicht so gut geeignet, weil sie ihrerseits die Grundsätze belasten und weil diese Liquidität teuer sind. Eine Zwischenfinanzierung durch Verpfändung eigener Wertpapiere ist auch möglich und kommt auch vor, sofern das betriebswirtschaftlich zweckmäßig ist. Schließlich muss die Bank noch eine Mindestreserve bei der Zentralbank hinterlegen. Diese Mindestreserve soll der Geldmengensteuerung durch die Zentralbank dienen, verliert aber mehr und mehr an Bedeutung. Auch als Sicherung einer Liquiditätsreserve hat die Mindestreserve kaum noch Bedeutung.

  1. Die Konsequenz ist, dass wenn Sie bei der Bank auf Ihr Sparbuch 1.000 Euro einzahlen – oder noch schöner sich einen Banksparbrief aufschwatzen lassen, die Bank (nach der vorgenannten Bestimmung der Mindestreserve) bis zum 50fachen als Kredit gegen Zinsen ausleihen kann. Aus Ihren 1000 gesparten Euro, für die Sie vielleicht 2% Zinsen bekommen, werden bis zu 50.000 Kredit für die die Bank vielleicht 10% Zinsen nimmt, jedes Jahr also bis zum Fünffachen des von Ihnen gesparten Betrages – ein gutes Geschäft, nicht wahr?! Jetzt wissen Sie auch, warum Ihnen manche Bank 50 € schenkt, wenn Sie nur ein Konto eröffnen.

Was geschieht nun mit dem neu geschöpften Geld?

Nehmen wir einmal an, der Kunde würde von seinem Girokonto seine Lieferanten bezahlen, die bei einer anderen Banken Kunde sind. Dann müsste unsere Bank Liquidität vorhalten, die an eine andere Bank abflösse. Dann bestünde nur noch der Kreditvertrag, der den Kunden verpflichtet, die Kreditsumme (plus Zinsen!) zurückzuzahlen. Möglich wird ihm die Rückzahlung aus dem Ertrag des Geschäfts (der Investition), das (die) er mit dem Kredit finanziert hatte. Ein Privatmensch, der z.B. ein Auto über eine Bank finanziert, muss analog einen Teil seines künftigen Gehalts als Rate ableisten. (Wenn der Privatmensch das Auto angespart hätte, müsste er monatlich eine Rate ansparen. Wenn er das auf einem Sparbuch täte, bekäme er Zinsen von der Bank, müsste aber auf das Auto warten.)

Nach der Rückzahlung des Kredits

Ist der Kreditbetrag zurückbezahlt worden, erscheint er nicht mehr in der Bilanz der Bank. Das Geld auf dem Girokonto des Kunden wird auf das Kreditkonto gebucht, und der Kreditbetrag sinkt ebenso wie das Giroguthaben. Auf der einen Seite bedeutet das, dass die Risikoaktiva abnehmen und andererseits kann die Liquiditätsposition kleiner sein. Zahlt der Kunde den Kredit zurück, steigen mit jeder zurückgezahlten Rate wieder die Möglichkeiten der Bank, Kredite auszureichen. Geht der Kreditnehmer pleite, dann muss die Bank nach der Verwertung von Sicherheiten den Unterschiedsbetrag, den Verlust aus diesem Geschäft aus eigenen Erträgen oder eigenem Kapital decken.

Wo ist nun das Geld geblieben?

Am Ende ist der Kreditbetrag aus der Bilanz der Bank genauso verschwunden wie das Guthaben des Kreditnehmers als der Kredit bereitgestellt wurde. Die Bilanz wird wieder “kürzer”. Dass Geld hat sich vollständig in dasselbe „Nichts“ aufgelöst, aus dem es gekommen war. Sobald das Geld dafür benutzt wird, um einen Kredit zurückzuzahlen, ist es restlos wieder verschwunden und zwar auch dann, wenn jemand anderes einen anderen Kredit tilgt. (Anmerken kann man an dieser Stelle, dass ein “Zuviel” an Rückführung von Krediten zu deflationären Erscheinungen führt, die ebenfalls unerwünscht sind und ähnlich der Inflation zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen. Genaueres dazu an anderer Stelle.) Eines sollte  allerdings zu denken geben: Der Kreditnehmer musste nämlich etwas mehr zurückzahlen, als die Hauptschuld (den Kreditbetrag), nämlich die Zinsen.Was das für Auswirkungen hat, steht in dem Kapitel Zinsen.

Ansonsten gilt: Den Betrag, den unser Bankkunde ursprünglich als Kredit aufgenommen hatte, haben jetzt die Lieferanten unseres Kunden oder die Lieferanten der Lieferanten unseres Bankkunden oder deren Angestellte. Es ist in der Welt. Die Geldsumme ist als monetäres Äquivalent für die Güter und Leistungen zu sehen, die unser Bankkunde geschaffen hatte und verkaufen konnte. Makroökonomisch, entspricht die durch den Kreditierungsakt „geschaffene“ Geldmenge der Wertschöpfung.(Siehe auch Irving Fishers Verkehrsgleichung). Mittelbar (manchmal auch unmittelbar) fließt es über die vielen anderen Leistungsaustausche an unseren Kreditnehmer wieder zurück.

„Geldschöpfung aus dem Nichts“ (siehe hierzu auch Matthias Binswanger) gibt es also tatsächlich – man darf aber nicht vergessen, dass, um die Geldwertstabilität zu gewährleisten, umlaufende Geldmenge und die Menge der Güter und Leistungen übereinstimmen (besser vielleicht “in guter Proportion stehen”)  müssen. Die zuvor beschriebenen Steuerungsinstrumente werden von der Zentralbank laufend überwacht und sind ein Instrument der Geldmengensteuerung der Europäischen Zentralbank. Im Ergebnis ist jeder Euro, der durch die oben beschriebene Geldschöpfung entsteht, von ihr „gewollt“, weil er als Äquivalent zu den geschaffenen Gütern und Leistungen, der Wertschöpfung, betrachtet wird. Geld wird vernünftiger Weise immer aus dem Nichts geschöpft werden – wichtig ist nur, dass (möglichst genau) das Äquivalent, die Wertschöpfung, Güter und Leistung geschaffen werden oder vorhanden ist. Problematisch sind nicht einmal  Zinsen und Zinseszinsen, sondern, dass diese “Gebühr” für die Inanspruchnahme der öffentlichen Dienstleistung “Geld” in den Taschen privater Einrchtungen (Banken, Eigentümer sehr hoher Geldguthaben) landet und nicht dem Staat, der Gesellschaft insgesamt zur Verfügung steht.  Paul Grignon hat einen aus meiner Sicht bemerkenswerten Vorschlag zur Gestaltung des Geldsystems (pdf Datei) (Beyond Money – Digital Coin Proposal) gemacht, der mit einem eindrucksvollen 7-Minuten Video-Clip ergänzt wird.

Das wirkliche Problem sind die Zinsen und Zinseszinsen

Woher die Zinsen kommen, die bei dem ganzen Vorgang nicht geschöpft wurde, erklären diese technischen Vorgänge (wie oben beschrieben) nämlich nicht. Aus der Sicht der Bankbilanz ist alles korrekt. Woher aber die Zinsen und Zinseszinsen kommen – das wird durch das ganze procedere eben nicht erklärt. Und die Banken (und alle diejenigen, die dauerhaft zu mehr Liquidität Zugang haben, als sie für ihre notwendigen Ausgaben brauchen) haben allen Grund, es zu verschweigen und nicht publik werden zu lassen. Denn sie sind die, die dazu beitragen können, dem Markt Liquidität zu entziehen (und damit Deflation herbeiführen) oder den Markt mit Geld fluten (und damit Inflation schüren). Das sind die, die von dem Zinssystem wirklich profitieren.

Literaturhinweise zu: Die technischen Abläufe der Kreditausreichung bei der Bank

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