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Zum Mietzins

Es ist schon ein großes Privileg, Vermögenswerte weitgehend gegen Wertverfall schützen zu können, indem man ein Miethaus erwirbt. Das ist den wenigsten Mitbürgern vergönnt. Ebenso ist es aber sehr zweifelhaft, dass daraus auch noch ein leistungsloses (unangemessen hohes) Einkommen geschöpft werden kann. Noch weniger einsichtig ist, dass dies zum Nachteil der meisten anderen Rechtsgenossen geschieht. Eigentum verpflichtet (Artikel Art. 14 Abs. 2 GG). Die Begrenzung von Mietpreisen auf eine Kostenmiete (plus einer angemessenen Rendite) wäre, so gesehen, ein kleiner Schritt, ein Baustein zu einer angemessenen Veränderung.

Die Geldanlage in einem Miethaus konkurriert mit einer langfristigen Geldanlage bei einer Bank oder vielleicht einer Staatsanleihe. Nicht mehr als diese Rendite dürfte für Mietshäuser (nicht ohne Grund auch Zinshäuser genannt) erwirtschaftet werden können. Selbst bei einer Rendite, die sich an sicheren Bankanlagen oder Staatsanleihen orientiert, ist das Mietshaus immer noch die (langfristig) bessere und sicherere Anlage. Allein aus diesem Grund sind Wahnsinnsrenditen bei Neuvermietungen oder Modernisierungsmaßnahmen vollkommen ungerechtfertigt und müssen durch Gesetze (Spielregeln) unterbunden werden.

Bevor aber über „böse“ Vermieter geschimpft wird, Enteignungen verlangt werden, und andere populistische Forderungen in den Raum gestellt werden, muss man etwas bedenken. Nicht die Vermieter sind „böse“, sondern die Spielregeln taugen nichts.

Deshalb müssen die Gesetze schnell und gründlich angepasst werden, damit die Mieter geschützt sind. Deshalb müssen Sie mithelfen, die Schlafmützen unter den Politikern im Abgeordnetenhaus oder Bundestag wach zu bekommen! Wer die Bestände von städtischen Wohnungsbaugesellschaften „privatisiert“ hatte, war kurzsichtig (im günstigen Fall)!

Die Ursache des ganzen Problems ist aber etwas anderes: nämlich der Fehler in unserem Geldsystem – kein besonders großer  – aber einer mit enormer Wirkung – alles andere sind nur Symptome. Das Argument, dass “Investoren” ohne attraktive Rendite nicht investieren würden, ist bei dem gegenwärtigen Geldsystem zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen. Derjenige, der über viel mehr  Geldvermögen verfügt, als er für seinen Bedarf braucht, kann  es nämlich zurückhalten und dem Markt für Investitionen entziehen. Die Ursachen für die ganzen Probleme (Mietzinsen, Spekulation, Schuldenkrise usw.) liegen also viel tiefer – in der, wie ich es nenne “Wurzel allen Übels” – einem Fehler in unserem Geldsystem, der sich aber, wie ich meine und auch meine, begründen zu können, (prinzipiell) verhältnismäßig leicht beheben ließe.  Darüber sollten wir uns Gedanken machen.

Ohne jeden Zweifel muss ein Hauseigentümer ein Mietshaus in vernünftiger Weise bewirtschaften können. Dazu benötigt er Einnahmen, die es ihm möglich machen, auch für außergewöhnliche Fälle Rücklagen zu bilden. Aus meiner Sicht nicht akzeptabel ist jedoch, wenn jemand mit einem so knappen Gut, das obendrein auch noch existenziell für die Menschen notwendig ist, ein leistungsloses, womöglich auch noch unangemessen hohes Einkommen für sich erzielt.

Tatsache ist, dass der Anteil für Mieten (Kosten der Unterkunft) an den Gesamtausgaben der Haushalte sehr gestiegen ist und der Trend anhält.

Ich vermute, dass Personengruppen, die über erhebliche Finanzmittel verfügen, ihr Geldvermögen immer stärker in (zumindest scheinbar) sicheres Immobilienvermögen “umschichten”. Der Anschaffungspreis spielt bei Wohnimmobilien dabei m.E. eine untergeordnete Rolle. Letztlich werden alle Anschaffungswerte und die ggf. anfallenden Kapitalzinsen dem Mieter belastet. Dass das erst im Verlauf von vielen Jahren geschieht, kann demjenigen, der über genügend Finanzmittel verfügt, nahezu gleichgültig sein. Entscheidend ist nicht die Menge Geld, die jemand hat, sondern wie hoch sein Rechtsanspruch am Sozialprodukt ist.

 


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